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Sauerland lehnt Rücktritt ab

by - August 2, 2010

Abwahl statt Rücktritt: Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland hat angekündigt, sich einem Abwahlverfahren zu stellen. Bis dahin will er trotz großen Drucks im Amt bleiben

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) hat einen sofortigen Rücktritt abgelehnt. Er werde sich aber „selbstverständlich“ einem Abwahlverfahren gemäß der Gemeindeordnung NRW stellen, hieß es in der „persönlichen Erklärung“. Sauerland kündigte an, sich der Verantwortung uneingeschränkt stellen zu wollen – „der persönlichen wie der politischen“. Er bitte jedoch um Verständnis dafür, „dass ich erst Klarheit über eine etwaige tatsächliche Verantwortung der Stadtverwaltung haben muss, bevor ich die politische Verantwortung dafür übernehme“.

Für den kommenden Mittwoch kündigte Sauerland den ersten Zwischenbericht einer verwaltungsinternen Untersuchungskommission ein. Zudem forderte er die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag.

Die Duisburger SPD hatte zuvor Sauerlands Rücktritt gefordert. „Leisten Sie unserer Stadt einen letzten Dienst und legen Sie ihr Amt unverzüglich nieder“, heißt es in einer verabschiedeten Erklärung des geschäftsführenden Parteivorstandes. Sollte Sauerland dem nicht Folge leisten, „ist seine möglichst baldige Abwahl unabdingbar“.

Die nächste reguläre Ratssitzung soll am 4. Oktober stattfinden. Für diesen Termin hatte die Linke am vergangenen Donnerstag zusammen mit der FDP einen Abwahlantrag gestellt. Bislang hieß es, die SPD-Ratsmitglieder seien noch unentschieden und wollten sich erst nach der Trauerfeier für die Opfer der Techno-Party äußern. Offenbar haben sie sich nun zu einem Votum gegen den Stadtchef entschlossen.

Eine Abstimmung über die Causa Sauerland noch im August ist aber wegen der Ferienzeit sehr unwahrscheinlich. Viele Ratsmitglieder sind verreist.

Seit der Loveparade, bei der durch eine Massenpanik 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt wurden, sieht sich Sauerland massiver Kritik ausgesetzt. Bislang hatte er alle Rücktrittsforderungen zurückgewiesen und erklärt, erst nach der Aufklärung der Umstände, unter denen es zu der Katastrophe kommen konnte, Konsequenzen zu ziehen. Dem CDU-Politiker wird vorgeworfen, sich über Bedenken gegen die Veranstaltung hinweggesetzt zu haben.

Zuletzt hatte Bundespräsident Christian Wulff den Oberbürgermeister an seine politische Verantwortung erinnert. „Zwar hat jeder als unschuldig zu gelten, dessen Schuld nicht erwiesen ist. Doch unabhängig von konkreter persönlicher Schuld gibt es auch eine politische Verantwortung“, sagte er der Bild am Sonntag. „Das alles wird der Oberbürgermeister genau abwägen müssen.“

Fazit: Schön dass Sie sich Ihrer Verantwortung stellen wollen, dann tun Sie den ersten Schritt in diese Richtung und legen Sie Ihr Amt nieder!

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From → Nachrichten

3 Kommentare
  1. Andrea permalink

    Herr Sauerland hätte unverzüglich die volle Verantwortung übernehmen und zurück treten müssen! Warum man eine Veranstaltung wie die Loveparade auf einem Gelände einsperrt? Man möchte das Prestigeobjekt, aber nicht die damit verbundenen „Unannehmlichkeiten“ (Verunreinigung, etc) in Kauf nehmen. Wer je in Berlin war, erahnt, dass ein Plan wie in Duisburg nicht funktioniert kann!
    Man verlegt das Münchner Oktoberfest ja auch nicht in einen Schrebergarten.
    Fehlentscheidungen liegen in der Natur des „Mensch seins“, aber Verantwortung übernehmen hinterher ist eine Charakterfrage….
    Herr Sauerland, schäm`dich!

  2. Als Kinder haben wir oft mit Wasser im Sand gespielt. Schüttete man das Wasser nur einfach so auf den Boden, so floss es ungehindert nach allen Seiten auseinander. Also fingen wir an, Gräben zu basteln und kleine Staudämme. Das Wasser, welches vorher so ungehindert abfließen konnte, blieb nun in den Gräben gestaut.

    Je schmaler wir die Gräben bauten, desto höher stand das Wasser darin. Schütteten wir nun an mehreren Stellen gleichzeitig neues Wasser dazu, bewegten sich die kleinen Wellen aufeinander zu und traten schießlich über die Ufer der kleinen Gräben.

    Menschen sind kein Wasser. Das hätte auch Herrn Sauerland vorher klar sein müssen. Aber weil er ein Mensch ist, der seinen Willen auch über physikalische Grenzen – und damit über den gesunden Menschenverstand – hinweg durchsetzen möchte, kann er nun auch nicht angemessen und moralisch richtig reagieren.

    Das ist vielen einfachen und auch wichtigen Menschen klar – nur ihm nicht.

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  1. » Menschen sind kein Wasser

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