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Fakten und Wahrheiten

by - August 8, 2010

In Duisburg starben 21 Menschen. Jeden Tag erfahren wir mehr Gründe, warum diese Love Parade so nie hätte stattfinden dürfen. Die Teilnehmerzahlen waren viel zu niedrig berechnet, die Zugangswege viel zu eng und die Organisatoren viel zu naiv, um die Sicherheit eines solchen Mega-Events zu garantieren. Und das, obwohl Risiken und Warnungen lange vor der Love Parade minutiös dokumentiert wurden. Das schlimmste ist, niemand will jetzt dafür Verantwortlich sein.

Jeder, der einen Job hat, weiss, dass wenn er Mist macht, er dafür gerade stehen muss. Niemand von uns hat jedoch die Macht über etwas so großes wie mehrere 100.000 Leute. Hätten wir die Macht darüber, was mit diesen Menschen passiert, oder müssten wir planen, dann würden wir auch dafür gerade stehen. Jeder von uns verliert seinen Job wegen Lapalien, und die Herrschaften der Planung bleiben auf ihren Posten sitzen, ohne rot zu werden.

Klaus Schäfer, ehemaliger Branddirektor Dortmunds, welcher vom Dienst suspendiert wurde aufgrund einer Teilnahme an einer umstrittenen Nazidemo sagte schon lange vor der Lo-Pa dass Duisburg eine gänzlich ungeeignete Stadt sei. Er analysierte auch die Lo-Pa in Dortmund und gab Seminare zur korrekten Veranstaltung von Großevents – scheinbar ohne Wirkung.

Loveparade Veranstalter und Verantwortliche haben Herrn Schäfer sogar Recht gegeben. Sie erwähnten ihm gegenüber jedoch einen erheblichen politischen Druck, welcher aufgebaut wurde. Die Lo-Pa in Duisburg MUSSTE Veranstaltet werden, rein garnichts hätte diese Veranstaltung zum platzen gebracht.

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Das dem Oberbürgermeister unterstellte Amt für Baurecht und Bauberatung genehmigte die Veranstaltung erst 3 Tage vor dem schon lange vorher bekanntgegebenem Termin. Jedoch mit einer äußerst relevanten Einschränkung:

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Die maximale Anzahl an Personen die sich gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten darf, wurde auf 250.000 beschränkt! Sogar diese Zahl überstieg schon die zulässige Grenze an Menschen auf einem Gelände mit dieser Größe. Ein Blick in die Hauszeitschrift der Fitness-Kette MCFit, welche unter der Leitung von Rainer Schaller steht, zeigt, dass der Veranstalter mit weitaus mehr Besuchern gerechnet hat! Allein aufgrund dieses Faktes halte ich Ihn für denjenigen, der am meisten versagt hat.

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Nicht die Menschenmenge oben, in dem umzäunten Gebiet wurde den 21 jungen Menschen letzendlich zum Verhängnis, sondern das Konzept den Besucherstrom auf 2 Wegen um das Gelände herumzuführen um ihn dann durch einen einzigen Eingang zu pressen. Das schlimmste ist, dass gleichzeitig Versucht wurde, den schon zu schmalen Eingang nun auchnoch als Ausgang zu nutzen.

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Schon im Vorfeld planten die Verantwortlichen der Lopavent GmbH mit deutlich höheren Besucherzahlen.

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Die Briefe, welche von der Lopavent GmbH gesendet wurden, waren stets mit „Streng vertrautlich“ versehen. https://i2.wp.com/i37.tinypic.com/ivdbub.jpghttps://i1.wp.com/i33.tinypic.com/muam0y.jpghttps://i2.wp.com/i34.tinypic.com/2q09e6c.jpg

Panikforscher Prof. Dr. Schreckenberg sagte in einem Interview, eine Zahl von 25.000 Menschen pro Tunnel wäre das absolute Maximum! In diesen Unterlagen sieht man jedoch, dass die Veranstalter in der Zeitspanne zwischen 16:00 und 17:00 mit 65.000 Zugängen und 45.000 Abgängen rechnen mussten! Die Differenz ist verheerend! Eine Stunde später soll sich laut den Dokument der Zulauf zum Gelände durch die Tunnel auf 90.000 erhöhen! Ich erinnere euch daran: 25.000 ist die Obergrenze für die Tunnel!!!

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Bislang ist unklar ob der Polizei dieser Plan bekannt war. https://i0.wp.com/i38.tinypic.com/wiston.jpg

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„Bei einer Überfüllung der Wegführungen und einem damit verbundenem Druck auf die Einslassstellen entscheidet die Polizei eigenständig…“

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Dieses eigenständige Entscheidung wurde in Form von sogenannten Wellenbrechern in die Realität umgesetzt. Bei zu Hohen Massen würden die Wellenbrecher eingesetzt werden. Dies geschah erstmals um 15:00 auf der westlichen Zugangsstraße. Gegen 15:30 baut sich eine beachtliche Masse hinter den Sperrgittern auf. Auf der Zugangsstraße konnten die Beamten die Raver in bester Ausführung in Schacht halten, jedoch brach 500 Meter weiter das Chaos aus.

„Bitte drängt nicht so, hier vorne gehen schon die Zäune kaputt.

Wir wissen dass ihr fertig seid, aber dadurch geht es auch nicht schneller.“

Aussage wie diese wurden laufend über die Lautsprecher der Polizeiwägen abgegeben.

Gegen 15:45 öffnet die Polizei die Sperrgitter an der westlichen Zugangsstraße, wohl ohne genaue Kentniss der Lage. Spiegel-TV fragte auf der Zugangsstraße gegen 16:00 eine Dame der Security-Staffel ob noch Leute aufs Gelände gelassen werden könnten, sie antwortete wortwörtlich: „Nein, das wird zu gefährlich.“

Um 16:01 errichten Beamte eine Polizeikette auf der Rampe. Diese kann auch gehalten werden. https://i1.wp.com/i37.tinypic.com/2d0huh5.jpg

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Man erkennt in der oberen Hälfte möchten einige Gäste das Gelände bereits wieder Verlassen, doch werden durch die hier hell dargestellte Polizeisperre aufgehalten. Es gibt ab 16:01 keinen Ausgang. Die Polizeikette verstellt den Ausgang, jedoch füllt sich die Rampe weiter von oben mit Menschen die nach Hause möchten. Eigentlich hatte der Veranstalter die Verantwortung über den Tunnel, doch ab 16:15 ca. sollten Polizeibeamte als menschliche Schutzschilde den Druck von der Rampe nehmen. Hier symbolisiert mit grünen Strichen.

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Dieser Versuch muss jedoch schon wenige Minuten später wieder aufgegeben werden.  Ein Krankenwagen muss gegen 16:45 einen der Tunnel passieren, und aus diesem Grund muss eine der Polizeiketten geöffnet werden. Wenig später wird im Tunnel auch die 2 Kette aufgegeben.

Nun beginnen die Menschen auf den Container, sowie die Treppe und Fluter zu klettern um sich aus der extremen Masse von Menschen zu befreien. Auch ich wollte mich über die Treppe aus der Masse retten – leider vergeblich. In dem angegebenen Container sitzen zu dieser Zeit 3 Menschen. Ein Polizist, sowie 2 Leute vom Security. Einer dieser Menschen ist der sogenannte Crowd-Manager. Er sollte eigentlich den menschenfluss auf der Rampe steuern.

Die Verantwortlichen verschanzen sich weiter hinter einer Mauer des Schweigens.. ich persönlich hoffe dass diese bald gebrochen wird. Jeder Mensch macht Fehler, auch große, auch solch große die 21 Menschenleben kosten, aber wenn man einen solchen Fehler begeht muss man dafür geradestehen!

Christine Rubenbauer

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From → Allgemein

5 Kommentare
  1. jim permalink

    hallo frau rubenbauer,

    zunächst mal die besten genesungswünsche von mir und vielen dank für ihren blog.
    ich selbst halte die loveparade für eine kriminell geplante katastrophe, bitte sie aber ein kleines detail zu korrigieren: in dem bewegungsmodell von lopavent geht man von 485.000 besuchern insgesamt aus, die im laufe des tages auf dem gelände eintreffen werden, nicht von 485.000 besuchern, die sich gleichzeitig auf dem gelände aufhalten werden. in diesem detail hat lopavent also ausnahmsweise nicht gegen die auflagen verstoßen, die ja forderten, daß sich nicht mehr als 250.000 personen zu einem zeitpunkt auf dem gelände aufhalten dürfen.
    wieviel leute sich tatsächlich in den spitzenzeiten auf dem gelände befanden, weiß ich nicht, allerdings zeigt das bewegungsmodell für die zeiträume zwischen 16.-18.00 uhr, daß man hier offenbar vorsätzlich die kapazitäten der tunnel um ein vielfaches überschreiten wollte und dann auch tat!!!!
    der verbindungspolizist im container hatte übrigens kein funkgerät und keine weisungsbefugnis, wie der crowd-manager gestern bestätigte, weshlab es dann 45min dauerte, bis ein leitender beamter vor ort war.und warum dieser ominöse container keine fenster hatte, ist mir auch ein rätsel. drinnen sollen monitore gewesen sein, die dann aber ausfielen, weil angeblich raver die kabel der überwachungskamers beschädigt hatten.
    mit besten grüßen, jim

  2. Chequers permalink

    Die Person Schreckenberg ist als kritisch zu betrachten. Zum Einen ist er kein Panikforscher, sondern Stauforscher und hatte sich bisher nur mit KFZ- und Schienenverkehr beschäftigt. Zum Anderen bestreitet er als Gutachter fungiert zu haben. Er will lediglich Zu- und Abströme im Bahnhofsbereich bewertet haben. Dementgegen steht ein Schreiben von Herrn Rabe in dem explizit das ganze Veranstaltungsgelände einbezogen wird. 20.000 Euro hat Prof. Schreckenberg für seine „Arbeit“ erhalten. Dabei war er noch nicht einmal auf dem Gelände. Seine Warnungen vor dem Tunnel beschränken sich in seiner Beurteilung auf den Satz: „Allerdings kommt dem Zugang zum Gelände durch den Tunnel Karl-Lehr-Straße eine besondere Rolle zu, die in jedem Falle detaillierte Betrachtung benötigt“.
    So wird er jedenfall in dem Rechtfertigungsschreiben der Anwaltskanzlei zitiert, die die Stadt beauftragt hat.

    Eine Erklärung, warum der Verbindungsbeamte im Container kein Funkgerät dabei hatte, habe ich im Spiegel-Forum gefunden:
    Mit dem bei der Polizei gebräuchlichen 2m-Funkgeräten ist es nicht möglich, aus einem geschlossenen Metall-Container zu funken. Eine Funkverbindung war aufgrund bestehender Telefonverbindungen in den Container auch nicht erforderlich.
    Die Funktion, die dieser Verbindungsbeamte innehatte, war zudem redundant besetzt; es gab einen weiteren Verbindungsbeamten in der „Einsatzzentrale“ der Security im Hoist-Hochhaus, wo die Kamera- und Telefonverbindungen des Crowd Managers aus dem Container aufliefen.
    Verbindungsbeamte in die Führungs- und Leitstellen anderer Organisationen verfügen grundsätzlich nicht über Entscheidungskompetenz oder Weisungsbefugnis. Die liegt ausschließlich bei der Polizeiführung.
    Wenn der Verbindungsbeamte im Container also nicht über eine Funkverbindung zur polizeilichen Einsatzleitung verfügt haben sollte, ist das ein Detail von geringster Relevanz.

    Natürlich ist das nur ein Kommentar und nicht von Dritten auf seine Richtigkeit geprüft. Es liest sich aber so, als ob die Person Ahnung hätte von dem was sie schreibt.

    Dir, liebe Christine, wünsche ich weiterhin eine gute Genesung und dass Du das Erlebte auch irgendwann verarbeiten kannst.

  3. Gerade was die Person Schreckensberger angeht, hat mich seine frühe Reaktion (im Interview bei n-tv, direkt im Anschluß an die erste Pressekonferenz) erst so richtig erbost. Die Herren dort im Plenum waren erst einmal relativ perplex, nicht aber Herr Schreckensberger.

    Hier eine Einschätzung von „Der Westen“ dazu: http://www.derwesten.de/nachrichten/im-westen/Der-Theoretiker-Michael-Schreckenberg-id3291640.html
    Es wird auch auf die von mir angesprochene Bemerkung eingegangen.
    Schließlich scheint sich meine Vermutung, die ich im Blog geäußert habe, zu bewahrheiten: http://www.bseplus.de/?p=1269

    Dir weiterhin die besten Wünsche, Christine!!

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